Redetext: Dr. Rosalinde Sartorti zur Ausstellung »1001 Blick« - ART-Galerie-Benakohell

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Redetext: Dr. Rosalinde Sartorti zur Ausstellung »1001 Blick«

Ausstellungen
 
Zu unserer heutigen Ausstellungseröffnung mit Bildern und Skulturen der Künstlerin Shahla Aghapour:

Shahla Aghapour wurde als Kind azerbaidschaischer Eltern in der iranischen Hauptstadt Teheran geboren.
Sie interessierte sich bereits früh für Literatur und Kunst, schrieb und veröffentlichte Gedichte, Kurzgeschichten
und nahm an verschiedenen Kunstwettbewerben teil.

Heute ist sie Malerin, Bildhauerin und Autorin und hat ein Studium an der Universität der Künste in Berlin
mit dem Master of Art abgeschlossen.
Sie arbeitet seit vielen Jahren als freischaffende Künstlerin und Kunstdozentin, hatte zahlreiche Ausstellungen
im In- und Ausland und hat mehrere Gedichtbände veröffentlicht.
Genaueres zu ihrer Vita und ihren Ausstellungen können Sie auch dem aushängenden Lebenslauf entnehmen.

Die heutige Ausstellung steht unter dem Titel „Tausend und Ein Blick“ und zeigt Bilder mit abstrakten Gesichtern
und Köpfen in gelblichen, erdigen Farben, die meist innerhalb dieses und des letzten Jahres entstanden sind
sowie Skulpturen der letzen Jahre.   
 
Die Bilder zeigen meist Gesichter mit markanten überbetonten Augen, meist Frauengesichter mit roten Lippen.
Roter Lippenstift ist im Iran verboten, er gilt den Machthabern als Symbol westlicher Verkommenheit,
die es zu bekämpfen gilt.
Das Aufgreifen dieses Motivs in Shahla Aghapous Bildern symbolisiert so auch den Protest der persischen Frauen
und ihre Suche nach Freiheit und Frieden in einer toleranteren und der Moderne zugewandten Welt.
In den 1001 Blicken der Frauen spiegeln sich gleichzeitig auch  1001 Geschichten dieser Frauen wieder,
die wie Sheherazadeh täglich überall auf der Welt um Ihr Überleben kämpfen. Die unterdrückt und ausgebeutet werden,
aber gleichzeitig auch stark sind, die z.B. als japanische Geishas oder indische Tempeltänzerinnen arbeiten
und dabei gleichzeitig Achtung wie auch Verachtung erfahren. Frauen im Iran und im Orient,
teilweise auch noch in Europa, die sich in einer immer noch weitgehend männlich geprägten Umwelt behaupten müssen.

Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Olav Münzberg schrieb über Shahla Aghapour Werk sinngemäß:
„Shahla ist auch Dichterin und wie ihre Gedichte so sind auch ihre Bilder Ausdruck ihrer Gefühle.
Wenn sie malt, so ist sie auch Dichterin, die ihre Gedichte in Farben umsetzt.
In Ihren Arbeiten geht es ihr nicht darum realistische Personen, Gegenstände, Landschaften
oder Situationen darzustellen, vielmehr geht es ihr darum das Wesen der Dinge,
das Sein hinter der offensichtlichen Maske des Alltäglichen zu zeigen.

Ihre Bilder sind – wie auch die Skulpturen – eher als Seelenportraits zu begreifen.
Sie entstehen als Reflexion von Stimmungen und Eindrücken besonderer Ereignisse aber auch von Erlebnissen des Alltags.
Die Bilder und Plastiken zeigen uns das Leben, die Liebe - aber auch den Tod.
Doch gleichzeitig geben sie uns Hoffnung, Hoffnung, die uns von der Häßlichkeit unseres Alltags
zur Schönheit des Lebens führen kann.“

Gleichzeitig sind die Augen, wie auch Prof. Münzberg schreibt, Ausdruck der Sele und der Gefühle…

„Die Augen und netzartigen Strukturen in ihren Bildern symbolisieren unter anderem auch die Stellung des Menschen
im Kontext der Natur, seine Einbindung, aber auch Gefangenschaft im Körper der Gesellschaft.
Wie die Teile eines Körpers, die über das Netz des Blutkreislaufs miteinander verbunden sind,
so ist der Mensch mit allen anderen Individuen, ja dem ganzen Universum, in seiner Seele verbunden.
So wie die Seele des Menschen in ihrer Schönheit, aber auch in allen häßlichen Ausprägungen, Teil der Natur ist,
so versucht auch Shahla Aghapours künstlerische Umsetzung eine Verbindung zur Natur herzustellen.
Bilder wie Skulpturen … wollen die Geborgenheit und Wärme der Erde in ihren Farben und Strukturen wiederspiegeln.
Wie Brüste geformte Ohringe symbolisieren auch Fruchtbarkeit und die Einbettung in das Werden
und Vergehen der Natur.

Der Betrachter soll durch das Vertiefen in die Bilder nachdenklich gestimmt werden, nachdenklich über das Leben,
die Liebe,
über unsere Umwelt und unsere Zukunft; gleichzeitig soll er die Nähe mit der Natur in sich selbst spüren,
seine seelischen Bedürfnisse reflektieren. “
 
Soweit die Interpretationen Prof. Münzbergs…
 
Abschließend möchte ich Sie auch noch auf die Bücher und kleinen Original-Kunstwerke von Shahla Aghapour hinweisen,
die auf dem Verkaufstisch ausliegen und die Sie sehr günstig erwerben können.
Künstler und Galeristen haben es meist schwer und wir alle sollten versuchen diesen neuen Kulturtreff zu unterstützen.

Denken Sie also daran, kleine Kunstwerke und Gedichtbände sind auch wunderbare Geschenke und Mitbringsel
für Ihre Freunde und Bekannte in der bevorstehenden Weihnachtszeit.

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© ART-Galerie-Benakohell / S.Goldberg
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